Predigt zum 1. Fastenfreitag 2021

Jesus erweckt Lazarus von den Toten "Wer an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben"

Predigt zum Freitag nach Aschermittwoch, 19.02.2021

„WEGMARKIERUNGEN AUF DEM PILGERWEG UNSERES GLAUBENS“

„Ist Gott wirklich?“

Liebe Schwestern und Brüder auf dem Pilgerweg des Glaubens durch diese Fastenzeit!

Beim „Ausmisten“ meiner vielen Bücher, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, bin ich auch auf ein Büchlein eines Mitbruders aus meiner Geburtsheimat im Salzkammergut gestoßen. Es trägt den Titel: Entscheidung für einen Glaubensweg. Das hat mich angeregt, daraus für diese Fastenzeit einige „Wegmarkungen für den Pilgerweg unseres Glaubens“ für uns zu übersetzen.

Wir alle wissen, nichts aus der Zukunft der Welt und des Lebens ist im Vorhinein klar. Wir werden geführt! Die ordnende und tragende Kraft ist der Glaube. Die Richtung für unser Handeln ist die Liebe. Die treibende Energie ist die Hoffnung!

Dass Ihnen der Glaube etwas bedeutet, beweist, dass Sie hierher in die Wallfahrt zum Gegeißelten Heiland gekommen sind. Trotzdem ist Ihnen klar, dass sich auch im Glauben viel verändert. Wir sehen heute manches anders, tiefer als frühere Generationen.

Deshalb in diesen Fastenpredigten einige Impulse für den Pilgerweg unseres Glaubens. Sie können diese Gedanken auch mit nach Hause nehmen und einige Impulsfragen persönlich beantworten oder beschreiben.

Es wäre ein großes Geschenk des Himmels, wenn Sie von diesen Fastenpredigten etwas mitnehmen können, was Ihnen hilft, guttut und Kostbares in Ihr Leben bringt.

Beginnen wir mit dem Thema: Ist Gott wirklich?

Der französische Dichter Albert Camus schildert in einer Erzählung die letzte Stunde eines zu Tode Verurteilten: Ein Priester sucht ihn auf und redet zu ihm von Gott- dass ihm Gott helfen werde- dass viele Menschen in seiner Lage sich ihm zugewendet haben….Der Geistliche redet und redet… vom Sterben, von der Hoffnung, von der Sünde…

Der zum Tod Verurteilte hört sich das einige Zeit an, bis er den Priester plötzlich zornig mit den Worten unterbricht: „Sie- es bleibt mir nur noch wenig Zeit zum Leben- und die will ich nicht mit Gott vertrödeln!“

-Ist Gott- der Glaube an ihn, die Verbindung mit ihm- das Überflüssigste und Unnötigste der Welt? Kann nur der, der viel Zeit hat, sein Leben damit vertrödeln
-Ist es egal, ob wir Menschen in Verbindung leben mit Gott oder nicht?
-Wird es mit der Welt besser, wenn die Menschen gott-los leben?
-Welchen Vorteil bringt es dem Menschen, die befreienden Botschaften des Glaubens nicht zu glauben?

Die großen Religionen sind nicht am Schreibtisch entstanden. Da haben sich nicht Leute etwas ausgedacht. Am Anfang jeder Religion waren Erfahrungen, tiefe Gotteserfahrungen. Diese Erfahrungen waren so tiefgreifend, weil den Menschen aufging:

Niemand hat in deinem Leben etwas Wesentliches zu sagen als nur allein die Macht, von der du stammst und der du dich verdankst als einmaliges Wesen der Menschheit. Beweisbar mit einem einzigen Fingerabdruck, den es kein zweites Mal gibt, und auch mit der ur- eigensten Geschichte, die von keinem anderen Menschen nachgemacht werden kann.  Mein Leben stammt von einer einzig wesentlichen Macht, die zu uns im Innersten spricht, nicht in fremden, von außen auferlegten Weisungen, sondern durch das, was zutiefst in uns selber liegt. Nur Gott kann uns auf eine Art befehlen, die uns nicht entfremdet, sondern uns entspricht. Nur Gott will von uns niemals etwas Anderes als das, wozu er uns gemacht hat. ( nach Eugen Drewermann )

Deshalb gilt grundsätzlich: „Die Geschichte Gottes mit dem Menschen ist keine Unterwerfungsgeschichte, sondern eine Berufungsgeschichte.“ ( Martin Schieske )

Der tschechische Priester und Dichter, Thomas Halik, schreibt: „Manche Menschen lehnen in Wirklichkeit nur eine bestimmte Vorstellung von Gott ab, die sie selbst geschaffen oder übernommen haben. Oft muss man solchen Menschen sagen: Ja, es ist gut, dass du solche Vorstellungen von Gott ablehnst. So ein Gott, den du ablehnst, existiert wirklich nicht. Das ist kein Gott, der es verdienen würde, dass man an ihn glaubt.“

Ein schwäbischer Pfarrer soll in der Nazizeit einmal gepredigt haben: „Lacha tät i, wenn des alles net wahr wär, was i predigt hab!“

Wie ginge es wohl mir, wenn ich am Ende meines Lebens erfahren müsste, dass nichts wahr ist von dem, was ich ein Leben lang geglaubt und verkündet habe?

Immer wieder komme ich zu dem Ergebnis: Selbst dann würde ich es nicht bereuen, geglaubt zu haben. Denn durch den Glauben ist Sinn in unzählige Szenen und Situationen meines Lebens gekommen. Ich durfte Menschen oft und oft ein Helfer sein und über weite Strecken meines Lebens war ein großer Friede tief in mir, weil ich an Gottes grenzenlose Liebe zu mir geglaubt habe.

Ich bin zutiefst überzeugt, dass ich ein Leben lang keinem Märchen nachgelaufen bin. Zu nachhaltig sind die Erfahrungen mit dem Glauben. Zu stark ist die Gewissheit in mir, dass Gott ist.

Fragen zum Nachdenken:
-Welche Gottesbilder sind in mir verwurzelt und bestimmen mein Glaubensleben?
-Sind sie geprägt von Angst, Zweifel und Misstrauen oder von Liebe, Hoffnung und Zuversicht?
-Konnte ich Menschen mit meiner Glaubensüberzeugung helfen oder war ich sprachlos, wenn ich nach meinem Glauben gefragt wurde?
-Wer oder was hat mir in meinem Glaubensleben geholfen?
-Weiß ich mich von Gott ge-/berufen? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?

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