Hochfest Mariä Himmelfahrt am 15. August

Kräuterbuschen vor dem Altar der Wieskirche

DER ALTE BRAUCH DER KRÄUTERWEIHE

Die Kräutersegnung ist bereits ein alter heidnischer Brauch. Seit dem 9. Jahrhundert wird Maria Himmelfahrt in der christlichen Kirche mit Kräuterweihe gefeiert. Eine Legende erzählt, dass die Jünger das Grab Marias öffneten und darin nur noch duftende Rosen, Lilien, Blüten und Heilkräuter der dortigen Gegend fanden. Die jahreszeitlich bedingte Getreidereife und Hochblüte mit größter Heilkraft der Natur wurde in Verbindung gebracht mit Maria, die traditionell als „Blume des Feldes und Lilie in den Tälern“ verehrt wurde.

Dieses Marienbild passt wunderbar zur Gnadenfigur hier in der Wieskirche, denn der Wiesheiland wurde im Ursprung der Wallfahrtsbewegung die 1738 mit Tränen in seinem Antlitz begann verstanden als „wunderbare, neu entsprossene Gnadenblum“, als „Flos campi – Blume des Feldes“.

Neben der Kräutersegnung am Fest von Johannes dem Täufer am 24. Juni, die sich im Christentum aus der Segnung an der Sommersonnenwende entwickelte, gab es die zweite Segnung der Kräuter am Tag des Festes Maria Himmelfahrt. Beide sind Zeiten mit besonderer Heilwirksamkeit in der Natur. Viele der wichtigsten Heilkräuter wurden seit jeher in diesen Tagen gesammelt. Die in der Natur besonders heilwirksamen 30 Tage ab dem 15. August wurden bald „Frauendreißiger“ genannt.

 In der Kräuterweihe gesegnet wurden ursprünglich 7, der Zahl der Schöpfungstage, 9,  3 mal 3 für die Heilige Dreifaltigkeit, 12, Zahl der Apostel, 14, Zahl der Nothelfer, 24, zweimal zwölf Stämme Israels aus dem alten und zwölf Apostel aus dem neuen Testament, 77 Zahl der Schöpfungstage und dazu der göttlichen Vollkommenheit Dreifaltigkeit verschiedene Kräuter. Als wichtigste Kräuter galten Alant, Baldrian, Beifuß, Eisenkraut, Johanniskraut, Kamille, Königskerze, Rainfarn, Schafgarbe, Thymian, Wermut, verschiedene Getreidesorten und dazu Blumen,vor allem des Feldes. In manchen Regionen wurden in die Kräuterbuschen so viele Alantblüten eingebunden, wie Menschen, Kühe und Pferde auf dem Hof lebten.

 Nach der Weihe wurden die Kräuterbuschen dann in den Bauerstuben in den Herrgottswinkel zum Trocknen gehängt. Aus dem Kräuterbuschen wurde Tee gegen Krankheiten gekocht, dem Vieh wurden die Heilpflanzen ins Futter gemischt, bei Gewitter wurden als Schutz vor Blitz und Seuchen Kräuter ins offene Feuer geworfen. Den Toten legte man ein Kreuz mit den geweihten Kräutern in den Sarg. Das ganze Jahr über nahm man von dem geweihten Kräuterbuschen auch um zu räuchern. Als besonders heilkräftig galten die Kräuter, wenn man sie mit Weihrauch vermischte und im Krankenzimmer damit räucherte. Geweihten Pflanzen wurde und wird bis heute eine gesteigerte Heilkraft und eine Unheil abwehrende Kraft zugeschrieben.

Kräuter an sich wurden als meist unscheinbare und zugleich heilsame Pflanzen zum allgemeinen Symbol verborgener Kraft und Bescheidenheit und damit auch zum Mariensymbol.

 Die Kräuterweihe ist in den Nachkriegsjahren eingeschlafen. In den 90-iger Jahren wurde sie dann auch bei uns in der Wieskirche, in Steingaden wieder neu lebendig.

Monika Kramkowski

 

KRÄUTERWEIHE

Segne, Gott,
die Kräuter und Blumen,
die wir bringen,
und segne und heile auch uns.

Segne, Jesus Christus,
unsere Sehnsucht
nach Gesundheit
und lass uns an Leib und seele
gesund werden.

Segne, Heiliger Geist,
was dem Geiste nach krank ist
an uns, an unserer Kirche,
in unserem Gemeinden
und Gemeinschaften
und heile uns.

 

PFLANZEN IM KRÄUTERBUSCHEN

1. Baldrian beruhigt. Er lockt zwar auch Katzen an, ist aber das beliebteste Mittel bei Nervenschwäche und Herzklopfen. -Wir danken all denen in der Pfarrei, von denen eine beruhigende Wirkung ausgeht; die uns durch ihre Gemütlichkeit und ihren Humor vor verkrampfter Hektik und aufgeblähter Zukunftsangst bewahren.

2. Die Schafgarbe wird als altbekanntes Hausmittel auch bei Appetitlosigkeit verwendet. So viele Kinder und Jugendliche haben keinen Appetit mehr auf Glauber und Kirche, weil sie sich mit anderen Reizen zuschütten lassen. Wir danken all den Eltern, Großeltern, Lehrerinnen und Lehrern, Gruppenleiterinnen und -leitern, die dennoch versuchen, Freiräume zu schaffen, um für Gott und die Sache Jesu zu begeistern.

3. Thymian wird auch äußerlich verwendet als Kräuterkissen gegen Geschwulst und Quetschungen. In der religiösen Auseinandersetzung mit Schulfreunden, Arbeitskameraden oder der Verwandtschaft tragen viele Blessuren davon. Wir danken allen, die sich dennoch nicht abhalten lassen, auch öffentlich zu ihrem Glauben zu stehen.

4. Die Pfefferminze wirkt positiv auf den ganzen Verdauungsapparat. Ihr Öl hält die Atemwege frei. Wir danken allen, die uns helfen, manche schweren Brocken gut zu verdauen, die von oben aus der Kirche, aber auch von unten aus der Gemeinde kommen. Sie lassen uns wieder aufatmen, wenn schlechte Erfahrungen mutlos machen.

5. Salbei zeigt in seiner Anwendung auch schweißhemmende Wirkung: Ein Blick in die Zukunft der Kirche oder auf den schwindenden Glauben bei Kinqjern und Jugendlichen kann uns den Schweiß auf die Stirn treiben. Wir danken allen, die sich als Taufkatecheten, Tischmütter, Begleiterinnen und Begleiter der Minigruppen oder als Firmkatecheten (...) erbringen und so helfen, die Sorge zu mildern.

6. Das Öl des Sonnenblumensamens ergibt ein gutes Hautpflegemittel. Danke allen, die das Image einer Pfarre heben, weil ihre Mitarbeit überzeugt und auch andere zum Mittun anregt.

7. Holunderblüten und mehr noch der aus reifen Holunderbeeren gepresste Saft sind sehr vitaminreich und ein gutes Mittel gegen Grippe und Erkältungen. Wir danken allen, die durch ihre Anregungen, Vorschläge, Spenden und Sympathien immer wieder Mut machen und uns so vor seelischen Tiefs und Erkältungen bewahren.

8. Kamille ist das beliebteste Volksheilmittel mit verschiedenen Anwendungsgebieten innerlich und äußerlich, zum Beispiel als Umschläge oder Bäder bei Verletzungen. Selbst in hoher Verdünnung hilft Kamille noch gegen Bakterien und Gift. Es gibt heute genug Sticheleien, Medienberichte und Bücher, die unseren Glauben verletzen und vergiften können. Wir danken all denen, die durch ihr treues Glaubenszeugnis diese Gefahren lindern.

9. Die Mistel ist herzkräftigend, stärkt die Immunabwehr und schützt bei Tumorerkrankungen sowie Arthrosen. Eine Kirchengemeinde steht heute in der Gefahr, durch Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit und zu viele Zugeständnisse an die Freizeitgesellschaft auszutrocknen. Wir danken allen, die in der Herzmitte der Gemeinde stehen. Damit sind alle gemeint, die regelmäßig mitmachen, gerne ihre Arbeit ehrenamtlich verrichten und uns so gesund erhalten.

10. Melissentee beruhigt die Nerven und mildert nervöse Magen- und Darmbeschwerden.

11. Die Brennnessel erweitert die Gefäße des Körpers: Bei Rheuma, Hexenschuss und Ischias fördert sie die Durchblutung und trägt so zur Heilung bei. Wir danken allen, die sich kritisch äußern. Das ist manchmal schmerzhaft, fördert aber, dass die Gemeinde lebendig bleibt. So ein „Brennnesseltee“ der positiven Kritik hält uns gesund und beweglich.

12. Zuletzt das Johanniskraut. Es hilft unter anderem auch bei leichten depressiven Störungen und Angst. Es gibt so viele - Junge wie Alte, die gegen die Traurigkeit der Seele und Depressionen kämpfen. Wir danken allen, die durch ihr Lachen, ihre Frohnatur und ihr Verständnis manche Seelenängste wegspülen helfen.

 

 

Zurück