Fest des Tränenwunders 2026 - Die Kirche muss wieder missionarisch werden
(Foto: Christoph Schneider)
Wies - Das Tränenwunder vor 288 Jahren, am 14. Juni 1738, war der Ursprung der Wallfahrt zum Gegeißelten Heiland auf der Wies. In Erinnerung daran feierten Gläubige aus nah und fern das traditionelle Fest der Tränen Christi mit. Bei strahlendem Sonnenschein gingen wir - einer Empfehlung des früheren Kustos Alphons Satzger entsprechend - von der Landvolkshochschule aus auf dem alten Wallfahrtsweg im Schatten der Bäume zu Fuß hinüber zum Himmel auf Erden. Die Gedanken sind bei Prälat Georg Kirchmeir, auf dessen Initiative das Tränenfest einst eingeführt wurde. Und bei Georg Messmer, dem unvergessenen Herrgottschnitzer aus Unterammergau, der das hier am Pfingstmontag 12.Mai 2008 gesegnete große Wallfahrtskreuz des Oberen Lechgaues gefertigt hat.
„Wir haben gehört, dass heute Pater Karl Wallner kommt, da sind wir gleich losgefahren“, berichtet uns freudestrahlend eine Dame aus dem Außerfern. Den vielen, von der „Stunde der Seelsorge“ im K.TV her bekannte authentische Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich wollten sehr viele sehen. So war die Wieskirche bereits eine viertel Stunde vor Beginn des Gottesdienstes so dicht gefüllt wie schon lange nicht mehr. Obwohl viele ältere treue Wiesfreunde über K.TV die Messe verfolgten. Vorausgegangen war am Tag zuvor bereits eine Anbetungsstunde des Katholischen Landvolks.
Unter den Klängen des Posaunenquartetts „Tromposi“ zogen Klerus und Altardienst, begleitet von Mitgliedern der Bruderschaft mit dem Vortragekreuz und den Bruderschaftsstäben feierlich in das Gotteshaus ein. Zusammen mit Erik Konietzko an der Orgel sorgte „Tromposi“ für einen musikalischen Ohrenschmaus. „Wir sind hier beim Heiland, der mit uns gelitten hat, in einer der schönsten Kirchen Europas“, freute sich Pater Karl Wallner, nachdem das „Schönster Jesus auf der Wies“ verklungen war. Zur Freude aller brachte Pater Joyice wieder fünf Ministrantinnen und Ministranten von der Mutterpfarrei Steingaden mit herüber. Neben ihm, Wieskurat Florian Geis und dem Hauptzelebranten Pater Karl Wallner standen die Diakone Armin Eder und Gerhard Kahl, der wieder eine Woche lang mit einer Gruppe der Männerseelsorge vom Bodensee hier her pilgerte, am Altar.
„Die Tränen des Heilands haben sofort die Herzen der Menschen angesprochen“, stellte Karl Wallner in seiner Predigt deutlich heraus. Die Wies ist eine endzeitliche Verheißung, ein Jubel. Die Hauptbedrohung der damaligen Zeit war die Pest. Bei Corona habe er geschworen, „wenn wir da gut rauskommen, baue ich eine Klinik in Mosambik, wo wegen fehlender medizinischer Versorgung jedes zehnte Kind unter vier Jahren stirbt. Für das nun dort entstehende Sankt-Karl-Borromäus-Krankenhaus wurde in der Kollekte kräftig gespendet.
Die Welt ist ein Tal der Tränen, Jesus kennt diese Tränen und leidet mit uns. Er hat selbst geweint. Heute würde er über den Glaubensabfall in Europa weinen. Im Gegensatz zur freudig wachsenden Kirche in Afrika, Asien und Südamerika. „Die Kirche muss wieder marianischer werden, wie uns Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch 2007 ans Herz legte“. In Heiligenkreuz ist die Zahl der Studenten von 62 (1999) auf heute 340 gestiegen. Heuer werden 15 seiner Studenten zu Priestern geweiht. „Die Gottesmutter wird uns helfen, die Tränen des Gegeißelten Heilands zu trocknen“, gab er allen mit auf den Weg. Und so stimmten nach dem Wettersegen und Angelusgebet alle mit ein in das „Segne du Maria.“
Pater Karl Wallner über die Freude der Afrikaner am Christentum
Beim Stehempfang im Pilgersaal war Pater Karl Wallner ein begehrter Gesprächspartner. Schließlich ist es schon beachtlich, dass in einer Zeit, in der in den meisten Diözesen die Zahl der Priesteramtskandidaten zurückgeht, in Heiligenkreuz dank Hilfe der Gottesmutter Maria die Berufungen zunehmen. Habe Europa seine Größe einst durch das Christentum erlangt, so müsse man heute feststellen, dass die deutschsprachigen Länder nur noch 2,5 Prozent der Weltkirche sind. Bedauerlich sei vor allem „,dass wir nicht den Biss haben, die Christenverfolgung weltweit anzusprechen“. Es erweckt hier keine Aufmerksamkeit, wenn z.B. im Kongo im Sommer 2025 30 Christen abgeschlachtet werden.
Hand aus Herz, wann haben Sie zum letzten Mal in einem normalen Sonntagsgottesdienst eine Fürbitte für verfolgte Christen gehört? Wir beten lieber, dass sich das Klima nicht weiter verschlechtern möge. Die Kirche in Afrika ist stark, weil da eine große Freude am Glauben ist, eine Liebe zum Göttlichen, die uns abhandengekommen ist. Das Entscheidende ist die Botschaft, dass Gott uns nicht in einem Betonsarg der Endlichkeit verrotten lässt, sondern den Himmel öffnet. Das lässt sie feiern wie im Himmel. Sie drücken die Dankbarkeit für ihren Glauben durch Tanz, Gesang und ostentativer Freude aus. Die Kirche Afrikas könnte unsere Retterin in den materialistischen Ländern Europas sein.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer in Europa ist, dass sich über 21.000 Jugendliche und Erwachsen in Frankreich in der Osternacht taufen ließen. Pater Karl Wallner erfüllt es mit Freude, dass heuer 15 seiner Studenten zum Priester geweiht werden und drei seiner Firmlinge auf dem Weg zum Priestertum sind.
Text: Gerhard Heiß