Schutzengelfest - Kirchweihfest 2021 Rückblick

Strahlender Sonnenschein geleitete den neuen Kuraten Florian Geis zusammen mit Bischof Bertram Meier, der zum Schutzengelfest eingetroffenen Geistlichkeit und dem Altardienst von der kleinen Kapelle am Dorfplatz zur Gnadenstätte. Das zu Herzen gehende Pontifikalamt wurde vom Bläserensemble Steingaden, dem Stadtorchester Schongau, dem Wies-Ensemble und Mitgliedern des Kirchenchores Steingaden unter Leitung von Kristina Kuzminskaite feierlich musikalisch gestaltet. Im Anschluss begrüßten die Wieser Böllerschützen ihren künftigen Nachbarn mit einem kräftigen Salut. „Nicht das Weltkulturerbe exponiert den Wiespfarrer, sondern die Leidensgemeinschaft mit dem Gegeißelten Heiland!“ Bischof Bertram Meier, der schon als Bub alljährlich mit seiner Heimatgemeinde Kaufering zur Wies wallfahrtete und hier ministrierte, kennt die innere Botschaft dieser Gnadenstätte. In seiner Predigt stellte er bewusst die provozierende Frage von Jesus an seine Jünger „Ihr aber, für wen haltet ihr mich“ in den Mittelpunkt. Auch die Wieskirche ist eine Provokation. Pracht und Glanz dieser Kirche erschließen sich uns erst dann, wenn wir das Geheimnis des Gnadenbildes erfassen. Bischof Bertram Meier bringt es auf den Punkt: „Obwohl gebunden, scheint es, als strecke der mit der Schuld der ganzen Welt beladene Erlöser mir einladend seine Hand entgegen“. Pilger und Besucher aus aller Herren Länder verstehen die Botschaft der Wies: Vor Jesus Christus kann ich meine Sorgen und mein Leid, meinen Kummer und meine Tränen tragen. Er versteht mich, denn er leidet selber, er ist einer von uns geworden. Jesus hat seine Jünger nicht nur provoziert, er hat ihnen auch einen Sprecher gegeben: Petrus – vom Herrn exponiert mit dem Bekenntnis: „Du bist der Messias“. Der Priester ist nicht nur provoziert durch das hartnäckige Fragen des Herrn; er schaut nicht nur auf zu Petrus, durch das Bekenntnis exponiert. Der Priester lässt sich engagieren, indem er täglich sein Kreuz annimmt und es dem Herrn hinterherträgt. Die Wieskirche ist gerade für einen Seelsorger ein Trainingsplatz fürs Kreuz tragen. Hoch erfreut zeigte sich Bischof Bertram Meier, dass Bischöflicher Geistlicher Rat Florian Geis aus Augsburg/St. Georg den Ruf in die Wies sofort angenommen habe: „Vom Mozartpfarrer wirst Du jetzt zum Wiespfarrer, Du bist exponiert.“ Noch einen Wunsch hatte der Bischof vor der Übergabe des Dekrets zur Bestellung zum 1. Kuraten, Wallfahrtsseelsorger und Custos an den Seelsorger Florian Geis: „Sei den Menschen hier wie Simon von Cyrene, der dem Schmerzensmann half, sein Kreuz nach Golgotha zu tragen. Wer Dir begegnet, solle spüren: Hier treffe ich einen Gottesmann, der keine Drohbotschaft verkündet, sondern eine Frohe Botschaft fürs Leben.“ Auch Gottfried Fellner habe keine „Wellness-Religion“ gepredigt, sondern kraftvoll und kernig, bodenständig und leidenschaftlich von der Freundschaft erzählt, die ihn an Jesus Christus bindet.

Bischof Bertram Meier sprach beim Schutzengelfest in der Wies die Hoffnung aus, dass es bald wieder möglich sei, die Feste groß und ohne Abstand zu feiern. Da dies derzeit noch nicht gehe, begrüßte der scheidende Kurat der Wies, Gottfried Fellner alle Mitfeiernden in diesem Stück „Himmel auf Erden“ und zuhause an den Bildschirmen. Wegen dem Corona bedingten nur beschränkten Platzangebot übertrug ktv den Gottesdienst live und katholisch 1 tv (augsburg.tv und allgäu.tv) berichtet am kommenden Sonntag, 12. September. Zur Amtseinführung seines Nachfolgers Florian Geis kamen auch Prälat Georg Kirchmeir, Dekan Georg Fetsch, Pater Petrus Adrian Lerchenmüller, Pfarrer Ulrich Müller aus Augsburg, Thomas Rimmel (Direktor von ktv) sowie die Diakone Robert Ischwang aus Augsburg und Armin Eder. Bereits zum 40. Mal kam Diakon Xaver Käser zum Kirchweih- und Schutzengelfest mit seiner Pilgergruppe aus Dillingen, Gottfried Fellners 2. Heimat, zu Fuß in die Wies. Als Vertreter der Politik kamen der stellvertretende Landrat, Michael Markstaller und Steingadens Bürgermeister Max Bertl zur Amtseinführung. Der neue Seelsorger Florian Geis fühlt sich dank der freundlichen Aufnahme schon sehr wohl in der Wies. Er freut sich sehr auf die neue, reizvolle Aufgabe fern der Großstadt. Im Wallfahrtswesen sieht er eine große Chance in der heutigen, so schnelllebigen und vielerorts so zerrissenen Gesellschaft, die überzeitliche Schönheit „unseres erhabenen Glaubens“ vermitteln zu können.

Gerhard Heiss

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