Nachkommen von Johann Baptist Zimmermann in der Wies

Das theologische Konzept von Baumeister Dominikus Zimmermann und Pater Magnus Straub ist schon imponierend. „Bereits Steinhausen war gut durchdacht mit der Erlösungsbedürftigkeit des in Leid und Schuld verstrickten Menschen, gibt uns allen Hoffnung.“ Gottesdienste in der Wies haben die beiden Zimmermanns in sporadischen Abständen schon öfter besucht. „Als uns Tante Anneliese Draht im vergangenen Jahr von der neu eingerichteten „Zimmermannstube“ vorschwärmte, wollten wir nun einen offiziellen Besuch abstatten“, erklärt der promovierte Diplom Bauingenieur Frank-Georg aus Stuttgart. Sein Onkel Michael – promovierter Altphilologe und Historiker - habe deshalb mit Museumskurator und Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer Kontakt aufgenommen. Der in Schwenningen an der Neckarquelle beheimatete Michael J.H. Zimmermann – bekannt nicht nur durch seine Führung „500 Jahre Gelehrtenrepublik Schwenningen am Neckar“ bei der Landesgartenschau 2010 – ergänzte und korrigierte in seiner Freizeit den von Karl-Heinz Breves erstellten Stammbaum der Zimmermanns. Interessant sei dabei, dass bis zu seinem Neffen Frank-Georg alle Baumeister bzw. Bauingenieure waren. Lediglich Michaels Vater schlug als Bankbeamter aus der Reihe und er als Altphilologe, Historiker und Ethiker. „Dafür beschäftigst du dich als Historiker mit Baukultur und ärgerst dich, wenn alte Bausubstanz verschwindet“, entgegnete spontan sein Neffe. Noch heute ärgere Michael, dass nach dem Zweiten Weltkrieg vielfach in den Altstädten verbliebene Substanz abgerissen und durch seelenlose Betonbauten ersetzt wurden. Über drei Jahrhunderte wurde in Schwenningen durch Aufnahme von Stilelementen ein harmonischer Gesamteindruck geschaffen. Heute sei landauf landab alles „Einheitsmurks“, die Individualität ging verloren und das Vermögen, Neues in Vorhandenes gekonnt einzufügen. Herzerfrischend sei deshalb der in paradiesischer Landschaft gelegene Bau der Wieskirche. Beim Eintritt blickt der in der Hauptachse aufschauende Wallfahrer auf die wichtigsten Merkmale des Gotteshauses: den Hochaltar mit dem Gegeißelten Heiland, den Thron am Ansatz der Langhauswölbung und den auf dem Regenbogen im Fresko herabkommenden Christus als Weltenrichter. Ein Glücksfall für die beiden Zimmermanns auch der Seelsorger Gottfried Fellner, der bei der Führung im Anschluss an den Gottesdienst durch die Kirche voller Licht, Farbigkeit und Barmherzigkeit gleichsam wie die Puttos die Heiterkeit am Glauben vermittelt. „Sie erreichen das Herz,“ geraten sie ins Schwärmen. Nach dem Mittagessen im ehemaligen Wohnhaus Dominikus Zimmermanns führt Helmut Schmidbauer die Nachkommen von Johann Baptist durchs Museum. In der Gewissheit, dass die Liebe das Maß der Barmherzigkeit ist, die das Tor zum ewigen Leben öffnet, und der Broschüre „Bis du kommst in Herrlichkeit“ kehren sie heim ins Schwabenländle.
Gerhard Heiss

Foto: Die Nachkommen von Johann Baptist Zimmermann bei ihrem Besuch in der Wieskirche (von links): Monsignore Gottfried Fellner, Michael und Frank Zimmermann, sowie Museumskurator Helmut Schmidbauer.

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