Bruderschaftsfest in der Wies 2020 Rückblick

Hoffnung und Zuversicht konnten alle schöpfen, die am Sonntag zum Gegeißelten Heiland kamen: Die Wallfahrer aus Ziemetshausen, die sich drei Tage zu Fuß auf den Weg machten, die Gottesdienstbesucher und die vielen weltweit an den Bildschirmen Mitfeiernden. Die Corona bedingten Einschränkungen konnten die Freude nicht trüben. „Bey einer andächtigen Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart“. Dieser Satz von Johann Sebastian Bach, dessen Todestag sich heuer zum 270. Mal jährte, traf einmal mehr auf die festliche Musik zu. Gestaltet von einem Bläserquintett der Musikkapelle Lechbruck, Christof Paulus (Bass) sowie Kristina Kuzminskaite (Orgel und Sopran) mit der „Missa in honorem St. Petri Apostoli“ von Josef Renner jun. Für die Lechbrucker Musiker war es Ehrensache, durften sie doch 2019 die Fronleichnamsprozession in den Vatikanischen Gärten mit begleiten. Zur Freude des Gastes aus Rom ließen die Lechbrucker Alphornbläser im Anschluss auf dem Dorfplatz noch den „Kinsegger“, „Allgäuer Hirtenruf“ und „Dr Strohschneider“ erklingen. Monsignore Gottfried Fellner zeigte sich hoch erfreut, dass die Wies nicht nur ein Kunstobjekt, sondern als Ort der Heilung und Barmherzigkeit lebendig ist. „Wir sind nie allein, der Gegeißelte Heiland geht alle Wege mit uns mit“, ist sich Fellner mit Prälat Fischer einig. Das Antlitz des geschundenen Heilands stellte Prälat Hans-Peter Fischer in den Mittelpunkt seiner Predigt. Er freue sich schon auf die Zeit nach der Pandemie, „wenn ich wieder in die offenen Gesichter schauen kann“. „In unser Gesicht schreibt sich unser ganzes Leben ein und dabei bleibt unser Gesicht immer einmalig, unterscheidet sich von Millionen anderer Gesichter“. Der Blick in das angeschlagene Gesicht des Heilands könne uns Angst machen vor anderen und vor uns selbst. Schläge ins Gesicht passieren auch heute, wenn Regimekritiker willkürlich verprügelt und weggesperrt, Personen die Menschenrechte genommen und gefoltert werden. Auch jeder einzelne von uns könne andere fertig machen. In diesem Sinne sei es gut, wenn wir uns immer wieder selbstkritisch reflektieren. Die Bibel verschweige nicht das menschliche Gefühl der Angst. Aber die Angst sollte nie das letzte Wort haben, sondern Anlass sein, dass Gott alles zu einem guten Ende führen wird. So finden wir in der Bibel 365mal den Ausdruck „Fürchte dich nicht“, als ob Gott uns jeden Tag des Jahres eben das wünscht. „Der Auferstandene sagt zu seinen Jüngern nicht, erobert den anderen“, so Prälat Hans-Peter Fischer wörtlich, „sondern teilt mit den anderen das Geschenk, das ihr empfangen habt. Die Begegnung der Liebe, die euer Leben verändert hat. Das ist das Herzstück der Korrektheit unseres Auftrages.“

Gerhard Heiß

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