Ökumene im Reformationsgedenkjahr 2017

Wiederkommender Christus im Deckenfresko der Wieskirche

 

Ökumene ist in den letzten Jahrzehnten kaum vorangekommen, beklagt nicht nur Kardinal Kasper in seinem Vorwort zu seinem Buch „Einheit in Jesus Christus- Schriften zur Ökumene“. Eine Betonung der „Ökumene der Profile“, die zunächst die Stärkung der eigenen Konfession vorsieht, hat in der Vergangenheit so manche (Brems-)Spuren hinterlassen. Dabei gibt es natürlich viele gemeinsame Aktionen von evangelischer und katholischer Seite. Besonders das Reformationsgedenkjahr 2017 eröffnet viel Raum für Zusammenarbeit und Grenzüberwindung – auch an solchen Wallfahrtsorten wie die Wieskirche, die von vielen – auch Nichtkatholiken! - als ausgesprochen ökumenische Kirche verstanden wird. Hier in der Wies, weisen alle Bilder hin auf unser gemeinsames Fundament: Jesus Christus.

Es gibt starken Rückenwind von „Oben“. Papst Franziskus sagte bei seinem Besuch in Schweden im vergangenen Oktober, die Kirchenspaltung sei eine „ungeheure Quelle von Leiden und Missverständnissen gewesen“. Aber sie habe auch zur „ehrlichen Einsicht“ geführt, dass die Kirche ohne Jesus nichts vollbringen könne. Franziskus erklärte weiter: „Dankbar erkennen wir an, dass die Reformation dazu beigetragen hat, die Heilige Schrift mehr ins Zentrum des Lebens der Kirche zu stellen.“

Die katholische Kirche werde durch das Erinnern an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren nicht bedroht, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Die Reformation sei von Deutschland ausgegangen, daher hätte die Katholische und Evangelische Kirche hierzulande auch eine besondere

Aufgabe, viel dafür zu tun, dass wir zusammenkommen, so der Münchner Kardinal. Ökumene sei kein Selbstzweck und nichts, das unter „Sonstiges“ auf der Agenda steht, sondern Auftrag und Chance. Wir sollen eins sein, damit die Welt glaubt, sagt Jesus (Joh 17,21).]

Eine Grundvoraussetzung für das Gelingen dieses Auftrags ist ein respektvoller Umgang miteinander. Ebenso wichtig ist das Wissen über den Glauben anderer Christen. Dadurch kann Verbindendes theologisch begründet und verantwortlich praktiziert werden.

Ökumene funktioniert vor Ort, aber sie braucht Zeit und geschieht vor allem an der Basis: sie vollzieht sich Schritt für Schritt im Miteinander der Menschen vor Ort, im Miteinander von Familien, zwischen konfessionsverbindenden Ehepaaren. Hier ist Ökumene keine Sache von theologischen Spitzfindigkeiten und gegenseitiger Ausgrenzung, sondern eine Sache offener Praxis. Etwa wenn Menschen selbstverständlich Angebote anderer Konfessionen nutzen, seien es persönliche Hilfen, spirituelle Angebote, Gemeinschaften oder Chöre.

Auch an unserer Wallfahrtskirche setzen wir in diesem Gedenkjahr an den Beginn der Reformation 2017 Akzente in der Ökumene durch verschiedene Veranstaltungen, Gottesdienste, spirituelle Impulse, Führungen, die zur Begegnung und zum geschwisterlichen Miteinander einladen:

  • An den Fastenfreitagen: 03.03./10.03./17.03./24.03./31.03. findet jeweils um 10.00 Uhr ein Gottesdienst mit Predigt zum Thema: „Was sagt mir der Gekreuzigte?“ . Anschließend ist im Pilgersaal eine Gesprächsrunde zum Predigtthema.
  • Eine ökumenische Versöhnungsfeier vor Ostern: 07.04. findet um 19.00 Uhr statt.
  • Bei den über 300 Kirchenführungen wird der ökumenische Charakter der Wieskirche den Besuchern nahe gebracht.
  • Wort-Gottesfeiern nichtkatholischer Gruppen sind immer möglich.
  • In Predigten an Sonn- und Feiertagen wird das Thema „Ökumene“ immer wieder aufgegriffen.

Es wäre schön, wenn wir diesen Möglichkeiten zur Begegnung Raum geben, unser Herz und Ohr öffnen und aufeinander zugehen. Alle Christen und Menschen guten Willens sind in der Wieskirche herzlich willkommen!

Msgr. Gottfried Fellner

Wallfahrtspfarrer

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