Das Kloster Steingaden

Welf VI, der Gründer des Klosters Steingaden

Am Weihnachtsfest 1146 ruft Bernhard von Clairvaux zum zweiten Kreuzzug auf.

Diesem Appell folgt auch Welf VI. Zuvor ordnet er seine Geschäfte und gründet „zum Heil der Seele und zur Vergebung der Sünden“ am 17.April 1147 das Kloster zu Steingaden.

Klostergeschichte
Das Kloster Steingaden

 

Das Kloster Steingaden wurde im Jahr 1147 von Herzog Welf VI vor seinem Aufbruch zum zweiten Kreuzzug gestiftet und reichlich mit Gütern ausgestattet. Die Prämonstratenser von Rot an der Rot mit Abt Oteno an der Spitze besiedelten Steingaden ; 1176 erfolgte die Weihe der romanischen Klosterkirche. Patron des Welfenmünsters ist Johannes der Täufer.

Von 1470 bis 1491 wurde das Kloster im Stil der Spätgotik umgestaltet und die Vorhalle hinzugefügt. Auch der romanische Kreuzgang wurde eingewölbt..

1525 wurde das Kloster im Bauernkrieg gebrandschatzt und geplündert. 1530 begann Abt Johannes Dimpt mit der Wiederherstellung in modernen Renaissanceformen. Ein sehenswertes Beispiel dafür ist das 1534 geschaffene Chorgestühl.

1600 wurden einige Freskenzyklen gestaltet, von denen aber nurmehr die „Welfengenealogie“ in der Vorhalle erhalten ist.

Im Jahr 1646 kam es erneut zu Zerstörungen, deren Reparatur und Wiederaufbau erst 1663 - nun im Barockstil - abgeschlossen werden konnte.

Zur Sechshundertjahrfeier 1747 ließ der Konvent die Kirche im nunmehr aktuellen Rokokostil ausgestalten.

Im Jahr 1803 erfolgt die Säkularisation des Klosters mit der Zerstörung vieler Klostergebäude; das Münster wird zur Pfarrkirche ernannt, so dass es erhalten bleibt.

Im Jahr 1997 hat die Gemeinde Steingaden mit einem historischen Festzug, dem eigens verfassten Freilichtspiel "Welfs Erbe" und vielen weiteren kulturellen und Bildungs-Veranstaltungen an die Klostergründung vor 850 Jahren erinnert. Deshalb ist es eine besondere Freude, dass mit P. Petrus-Adrian Lerchenmüller OPraem aus der Abtei Windberg seit September 2012 wieder ein Prämonstratenser für die Seelsorge in der Pfarreiengemeimschaft Steingaden zuständig ist - und damit nach 209-jähriger Pause die Klostergeschichte weitergeschrieben werden kann.

Viele Gebäude der Klosteranlage stehen noch, sind allerdings in Privatbesitz. Der Marktplatz Steingadens ist der ehemalige äußere Hof des Klosters, im inneren Hof stehen noch der alte Kornspeicher mit Werkstätten, Mahl- und Sägemühlen, die inzwischen zu Gaststätten umfunktioniert wurden. Östlich des Welfenmünsters steht das ehemalige "Kommödienhaus", an der Südseite des Münsters befindet sich noch ein Rest des Klosterhauptgebäudes mit dem restlichen Viertel des Kreuzgangs, der in der Spätgotik eingewölbt wurde. Westlich der Bundesstraße befindet sich das große Geviert des ehemaligen Meierhofes, in dem heute Rathaus, Touristikbüro, Archiv, Grundschule, Pfarrheim und Vereinsräume untergebracht sind.

Norbert von Xanten

Norbert von Xanten - Ein Lebensweg mit Brüchen

Norbert v. Xanten - Darstellung aus dem Kloster Steingaden um 1751

Norbert von Xanten
geboren zwischen 1080 und 1085 in Gennep oder Xanten;
gestorben am 6. Juni 1134 in Magdeburg

Norbert war der Gründer des Prämonstratenserordens und von 1126 bis 1134 Erzbischof von Magdeburg.
Er ist Patron des Bistums Magdeburg sowie einer der Patrone Böhmens.

Zwei Umbrüche bestimmen seine Lebensgeschichte:
Zuerst wurde er vom reichen adligen Chorherrn zum asketischen Verächter der Welt, der als Wanderprediger umherzog und eine Ordensgemeinschaft gründete.


Später kehrte er aber als Erzbischof von Magdeburg wieder in die adlige Welt zurück und pflegte das höfische Gepränge.

 

Leben als Kanoniker und Hofkaplan

Norbert trat schon als Kind in das Stift St. Viktor in Xanten ein. Dort erwartete ihn ein anregendes Leben auf reichen Pfründen. Als Begleiter des Kölner Erzbischofs Friedrich I. (1100–1131), kam er an den Königshof und nahm als Hofkaplan an der Krönung Kaiser Heinrichs V. in Rom teil.

1113 bot ihm der Kaiser das Bistum Cambrai an, doch Norbert lehnte ab – vermutlich weil er sich vom Kaiser distanzieren wollte, nachdem dieser den Papst und die Kardinäle zwei Jahre lang gefangen halten ließ. Norbert neigte nun mehr dem päpstlichen Lager zu und lehnte eine Beauftragung durch den Kaiser ab.

Im Jahre 1115 soll Norbert laut seiner Heiligenvita ein Bekehrungserlebnis widerfahren sein, wonach ihn ein Blitzschlag auf einem Ritt zum Damenstift Vreden zu Boden gerissen habe.

Die Welfen

Die Ursprünge in Bayern

Die Welfengenealogie im Vorzeichen des Welfenmünsters Steingaden
Die Welfengenealogie im Vorzeichen des Welfenmünsters Steingaden

Im Jahr 1070 erhalten die Welfen erstmals Bayern: Welf IV wird von König Heinrich als Herzog von Bayern eingesetzt. Als sich der König kurz später gegen den Papst wendet, kündigt ihm Welf allerdings die Gefolgschaft auf. 1073 gründet er das Augustiner Chorherrnstift Rottenbuch und macht sich auf den Weg nach Jerusalem, von wo er nicht mehr lebend zurückkehrt. Nach seinem Tod erhält sein Sohn Welf V. das Herzogtum.

Das Geschlecht der Welfen gehört zu den mächtigsten im Reich zumal Heinrich der Stolze, Neffe Welfs V. durch die Heirat mit der Tochter Kaiser Lothars von Supplinburg auch noch Sachsen zu seinem Reich hinzugewinnen kann.

1137 stirbt der Kaiser, doch Nachfolger wird nicht der mächtige Welf, sondern der Staufer Konrad, der dem Welfen beide Herzogtümer wieder abspricht, um ihn zu entmachten.

1139 übernimmt Welf VI die Führung des Hauses und die Verwaltung der welfischen Güter, nachdem sein Bruder Heinrich der Stolze verstorben ist.

Welf VI und die Klostergründung Steingaden

Welf VI (Fresco v. Johann Georg Bergmüller im Welfenmünster Steingaden)
Welf VI (Fresco v. Johann Georg Bergmüller im Welfenmünster Steingaden)

Welf VI wurde als dritter Sohn Heinrich des Schwarzen im Jahr 1115 geboren. Er heiratet Uta von Calw, wodurch er nach dem Tod seines Schwiegervaters Gottfried von Calw (1131 oder 1133) Ansprüche auf dessen Besitztümer erwirbt. Um 1140 wird ihm sein einziger Sohn Welf VII geboren.
Am Weihnachtsfest 1146 ruft Bernhard von Clairvaux zum zweiten Kreuzzug auf. Diesem Appell folgt auch Welf VI. Zuvor ordnet er seine Geschäfte und gründet „zum Heil der Seele und zur Vergebung der Sünden“ am 17.April 1147 das Kloster zu Steingaden. Der Kreuzzug verläuft wenig siegreich. Nach verlustreichen Kämpfen auf dem Weg erreichen die Kreuzfahrer im Sommer 1148 Akko, wo König Konrad entscheidet, Damaskus zu belagern. Welf lehnt eine Teilnahme an der Belagerung ab und kehrt in die Heimat zurück.

1152 wird Welf Herzog von Spoleto und damit der mächtigste Mann im italienischen Reichsteil.

Als 1167 sein einziger Sohn Welf VII an der Malaria stirbt, verliert Welf VI das Interesse an der Politik und verkauft Friedrich I. Barbarossa die welfischen Hausgüter in Schwaben. Er schickt seine Frau Uta, die er nie sonderlich liebte, in ihre Burg zurück und hat –wohl zur Kompensation seiner Trauer – „nur noch das eine Ziel, ein glänzendes Leben zu führen, dem Weidwerk zu obliegen, Tafelfreuden und anderen Lüsten zu frönen und durch Festlichkeit und wahllose Schenkungen sich den Ruf der Freigebigkeit zu erwerben"

1191 stirbt Welf „versöhnt mit den Menschen und reuevoll“, wie es in der Historia Welforum (Steingadener Fortsetzung) heißt, in Memmingen und wird ins Kloster Steingaden überführt und dort beigesetzt.

Die Prämonstratenser
Das Wappen des Prämonstratenser-Ordens

 

Die Prämonstratenser ( Ordenskürzel O.Praem.) sind der größte römisch-katholische Orden regulierter Chorherren und wurde im Jahr 1120 von Norbert von Xanten mit dreizehn Gefährten in Prémontré bei Laon (Frankreich) gegründet.

1126 wurde er von Papst Honorius anerkannt und breitete sich schnell in ganz Westeuropa aus. In seiner Blütezeit zählte der Orden mehr als 600 selbstständige Klöster, die Kanonien genannt werden. Im deutschsprachigen Raum entstand das erste Prämonstratenserstift bereits im Jahr 1122.

Die Prämonstratenser (in Belgien und den Niederlanden auch „Norbertijnen“ genannt) sind eine Gemeinschaft von Priestern mit Ordensgelübde (Armut, Enthaltsamkeit und Gehorsam), die nach der Augustinusregel leben. Sie pflegen das Stundengebet und das gemeinschaftliche Mahl im Refektorium, ihr Arbeitsschwerpunkt liegt in der Pastoral, insbesondere der Gemeindeseelsorge.

Heute gibt es weltweit 41 selbständige Kanonien, also Abteien, Stifte und Priorate, die in Zikarien (Ordensprovinzen) eingeteilt sind. Auf allen Kontinenten wirken circa 1400 Brüder und Schwestern des hl. Norbert.

Der oberste Repräsentant des gesamten Ordens ist der Generalabt. Er ist der unmittelbare Obere der regierenden Prälaten und wichtigstes Bindeglied zwischen den einzelnen Häusern. Er hat seinen Sitz in Rom. Seit 2003 bekleidet der aus Ulm stammende D.D. Thomas Handgrätinger OPraem dieses Amt.