Geistliche Impulse und Predigt zum 6. Fastenfreitag 2020

Selig, die keine Gewalt anwenden
Selig, die keine Gewalt anwenden
  1. Fastenfreitag in der Wieskirche am 03.04.2020

 

( Geistlicher Impuls für einen Hausgottesdienst )

 

Im Namen des Vaters…

Gott, der alle Wege mitgeht, sei mit uns!

 

Liebe Gottesdienstbesucherinnen und –besucher der Fastenfreitage  in der Wies, liebe Schwestern und Brüder auf dem Weg der Hoffnung!

 

Zum 6. Mal feiern wir den Fastenfreitag mit einem Impuls zu den Seligpreisungen der Bergpredigt. Sie sind als Grundlage für den Himmel der Wies in acht Kartuschen über den acht Doppelsäulen dargestellt. (Siehe Bild).  Schon zum 3. Mal feiern wir wegen der Pandemie in aller Stille. Wir verbinden uns mit allen Verehrern  des Wiesheilandes, allen Mitgliedern der Bruderschaft zum Gegeißelten Heiland und allen, die mit uns im Gebet vereint sind.

Nehmen wir alle vom Corona-Virus Betroffenen, alle Sterbenden und Verstorbenen in unser fürbittendes Gebet hinein.

 

Lassen wir uns ansprechen vom Wort der Hl. Schrift und uns segnen, dass wir geheilt werden an Leib und Seele und so zum Segen werden können für alle, die mit uns gehen.

 

Den Herrn, der in unserer Mitte ist, rufen wir um sein Erbarmen an:

  • Herr, Jesus Christus, du hast Leid und Tod auf dich genommen

Herr, erbarme dich…

  • Du bist stets bei uns und begleitest uns.

Christus, erbarme dich…

  • Du willst uns zu dir in die Herrlichkeit Gottes führen.

Herr, erbarme dich…

Ja, Herr, erbarme dich über uns alle, nimm alle Schuld von uns und lass uns mit einem hörenden Herzen jetzt bei dir sein.

 

Gebet

 

Barmherziger Gott, du kennst unsere Schwachheit und unsere Not. Doch je hinfälliger wir sind, umso mächtiger ist deine Hilfe. Gib, dass wir diese Zeit der Fasten und der Pandemie  annehmen und dein Wirken  in unserem Leben bezeugen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen.

 

Lesungen: aus dem Buch Genesis-1 Gen 17, 1a.3-9 ; Evangelium nach Johannes 8, 51-59

 

Gedanken zu den Lesungen und zur Seligpreisung „ Selig, die Sanftmütigen, denn ihnen gehört das Himmelreich

 

„Da hoben sie wieder Steine auf, um ihn zu steinigen“
Im heutigen Tagesevangelium wird Jesus wegen seiner Botschaft offen bedroht - mit Gewalt. Dies war schon immer die schnellste und einfachste Reaktion von Menschen, wenn sie etwas stört.  Das erleben wir zwischen einzelnen Personen, zwischen Gruppen, zwischen Staaten und Nationen. Wie uns die Erzählung von Kain und Abel zeigt, scheint Gewalt im Menschen geradezu angelegt zu sein. Und wo Gewalt einmal frei wird, erzeugt sie wieder neue. Gewalt führt zu Gegengewalt.

Jesus setzt der Rohheit seiner Feinde allerdings anderes entgegen: Worte und Werke! Denn Jesu Überzeugung ist:
Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben
Dafür legt er Zeugnis ab bis zur bittersten Konsequenz am Kreuz. Alljährlich in der Karwoche werden wir daran erinnert. Und alljährlich erfahren und feiern wir, dass die Gewalt im Letzten nicht siegt. Dennoch bricht sie immer wieder durch mit immer neuen Mitteln und Methoden. Gewalt beginnt aber nicht erst, wo jemand handgreiflich wird oder zur Waffe greift. Es beginnt da, wo einer „mit allem G’walt“ sich oder etwas durchsetzen will und deshalb „furchtbar g’walttätig ist“ – wie der Volksmund sagt. Gewalt geschieht da, wo jemand stur und rücksichtslos nur die eigenen Vorstellungen gelten lässt – und alle anderen mit Verachtung überzieht. Wenn in einer Familie Jung und Alt konsequent nicht mehr miteinander reden – da ist keine Handgreiflichkeit im Spiel, aber das ist Gewalt. Wenn im Kollegenkreis jemand gemobbt wird, berührt man sich körperlich gar nicht, aber das ist Gewalt. Schon, wo physische oder psychologische Kraft oder Macht allein angedroht wird und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, psychischen Schäden oder Fehlentwicklungen führt, ist es Gewalt, sagt die WHO (Weltgesundheitsorganisation).
Selig, die solches nicht anwenden, ruft Jesus uns zu – und er zeigt die Alternative: gute Werke unaufgeregt zu tun und so die Menschen im Stillen gewinnen. Nicht auftreten als der große Feldherr, sondern unscheinbar - auf dem Esel reitend. Darauf bauen, dass das Gute an Kraft gewinnt und in kleinen Schritten dafür wirken. Das raubt der Gewalt die Macht, darin zeigt sich Größe - und es schenkt Gelassenheit.
Das ist die Zielperspektive für uns Christen!

Aber dies zu erreichen ist eine persönliche Mammutaufgabe. Wir wissen doch, wie schwer es ist, Ruhe zu bewahren, wenn uns etwas aufregt. Wir wissen doch, wie leicht der Geduldfaden reißt, wenn sich wer total daneben benimmt. Wir wissen doch, wie leicht Grobheiten über die Lippen drängen, wenn uns etwas massiv verärgert. Mut und Kraft zur Gewaltlosigkeit erfordern enormes Training  in Toleranz, Langmut und Geduld - von jeder und jedem. Es ist eine Lebensaufgabe, bei der wir immer wieder auch Rückschläge hinnehmen müssen. Doch wo es gelingt, da blüht Leben auf. Wo es gelingt, da können faszinierende Wege zueinander und miteinander entstehen. Wo es gelingt, da berühren sich Himmel und Erde.
Bitten wir also Gott gerade in dieser Zeit, da wir auf den z.T. engen privaten Raum verwiesen sind um diese Kraft zur Sanftmut. Und bitten wir darum, dass diese Kraft in unserer Welt stetig wächst, denn selig sind, die keine Gewalt anwenden – sie werden das Land erben. Amen.

 

Fürbitten

Tränen, jetzt und in Ewigkeit.

Zu Gott, der sieht, was uns niederdrückt und uns schwer auf dem Herzen liegt, kommen wir voll Vertrauen und bitten: Du siehst unsere Not und hilfst uns.

Wir bitten dich, erhöre uns.

  • Sieh an das Elend der von der Pandemie Betroffenen, der Ausgebeuteten und Unterdrückten, der Flüchtlinge und Heimatsuchenden. Du siehst unsere Not und hilfst uns.
  • Sieh an die Großherzigkeit und den Einsatz Unzähliger, die sich in den Krankenhäusern, in den Krisengebieten für menschenwürdige Überlebensbedingungen und medizinische Versorgung einsetzen. Du siehst unsere Not und hilfst uns.
  • Schau auf alle, die mit einem schweren Kreuz beladen unterwegs sind, die an ein Kreuz gebunden aushalten, und auf alle, deren Lebenspläne durchkreuzt wurden und deren Zuversicht am Schwinden ist. Du siehst unsere Not und hilfst uns.
  • Sie uns an in unseren Nöten und Sorgen, in unserer Eisamkeit und schicke uns Menschen, die Mut machen und uns aufrihten. Du siehst unsere Not und hilfst uns-

 

Fassen wir unsere Bitten zusammen im Gebet, das der Herr uns gelehrt hat:

Vater unser….

 

Beten wir das Gebet in diesen Tagen der Heimsuchung:

 

Gebet in schwerer Zeit

 

Gott, du bist die Quelle des Lebens. Du schenkst uns Hoffnung und Trost in schweren Zeiten.

Dankbar erinnern wir uns an deinen Sohn Jesus Christus, der viele Menschen in deinem Namen heilte und ihnen Gesundheit schenkte. Angesichts der weltweiten Verbreitung von Krankheit und Not bitte wir dich:

Lass nicht zu, dass Unsicherheit und Angst uns lähmen. Sei uns nahe in der Kraft des Heiligen Geistes. Lass uns besonnen und verantwortungsvoll handeln und unseren Alltag gestalten. Schenke uns Gelassenheit und die Bereitschaft einander zu helfen und beizustehen.

Sei mit allen, die politische Verantwortung tragen. Sei mit allen, die gefährdete und kranke Menschen begleiten und sie medizinisch versorgen.

Lass uns erfinderisch sein in der Sorge füreinander und schenke uns den Mut zu Solidarität und Achtsamkeit.

Gott, steh uns bei in dieser Zeit, stärke und segne uns. Amen.

                                                                                                          P.Norbert M.Becker MSC

Segen

 

Der Herr segne und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Der Herr wende uns sein Gesicht zu und schenke uns Frieden.

Gott, der + Vater und der + Sohn und der + Heilige Geist.

Gehen wir und bringen wir Frieden.

 

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Gebet  zum Deckenbild in der Wieskirche   (Engel mit dem Lamm)

Jesus sagt:

Freuen dürfen sich alle, heute und immer,
die sanftmütig sind;
denn ihnen wird das Land gehören. (Mt 5,5)

Gott,

an manchen Tagen sind wir abgespannt und nervös.
Wir sind dann oft unbeherrscht,
verletzen andere mit Worten oder mit Schweigen.
Nur allzu leicht werden wir gewalttätig.

Gott,

wir könnten mehr erreichen mit ein bisschen Geduld,
mit etwas mehr Feingefühl,
mit einem guten Wort,
mit einer verstehenden Geste.
Es ist leicht, sich gehenzulassen.
Es braucht Mut, sanftmütig zu sein.

Gott,

Jesus war sanftmütig und demütig.
Lass uns werden- wie Jesus.

Amen.

 

(Theo Schmidkonz, SJ)

Predigt zum 5. Fastenfreitag 2020

5. Fastenfreitag in der Wieskirche am 27.03.2020

 ( Geistlicher Impuls für einen Hausgottesdienst )

 Im Namen des Vaters…

Gott, der alle Wege mitgeht, sei mit uns!

Liebe Gottesdienstbesucherinnen und –besucher der Fastenfreitage  in der Wies, liebe Schwestern und Brüder auf dem Weg der Hoffnung!

Zum 5. Mal feiern wir den Fastenfreitag mit einem Impuls zu den Seligpreisungen der Bergpredigt. Sie sind als Grundlage für den Himmel der Wies in acht Kartuschen über den acht Doppelsäulen dargestellt. (Siehe Bild).  Schon zum 2. Mal feiern wir wegen der Pandemie in aller Stille. Wir verbinden uns mit allen Verehrern  des Wiesheilandes, allen Mitgliedern der Bruderschaft zum Gegeißelten Heiland und allen, die mit uns im Gebet vereint sind.

Nehmen wir alle vom Corona-Virus Betroffenen, alle Sterbenden und Verstorbenen in unser fürbittendes Gebet hinein.

Lassen wir uns ansprechen vom Wort der Hl. Schrift und uns segnen, dass wir geheilt werden an Leib und Seele und so zum Segen werden können für alle, die mit uns gehen.

Den Herrn, der in unserer Mitte ist, rufen wir um sein Erbarmen an:
Herr, Jesus Christus, du hast Leid und Tod auf dich genommen
Herr, erbarme dich…
Du bist stets bei uns und begleitest uns.
Christus, erbarme dich…
Du willst uns zu dir in die Herrlichkeit Gottes führen.
Herr, erbarme dich…

Ja, Herr, erbarme dich über uns alle, nimm alle Schuld von uns und lass uns mit einem hörenden Herzen jetzt bei dir sein.

Gebet

Barmherziger Gott, du kennst unsere Schwachheit und unsere Not. Doch je hinfälliger wir sind, umso mächtiger ist deine Hilfe. Gib, dass wir diese Zeit der Fasten und der Krankheit  dankbar annehmen und dein Wirken  in unserem Leben bezeugen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn und Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen.

Lesungen: aus dem Buch der Weisheit 2, 1a, 12-22; Evangelium nach Johannes 7, 1-2.10.25-30

Gedanken zu den Lesungen und zur Seligpreisung „ Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden“

Gleich in zwei Seligpreisungen spricht Jesus von der Gerechtigkeit: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit“ und „Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden.“
Gerechtigkeit ist ein Kernthema Jesu. Und er sieht zwei Seiten: Die Unterdrückten und Ausgebeuteten, die unter Ungerechtigkeit leiden – und jene, die sich für die Gerechtigkeit stark machen und deshalb oft genug verfolgt werden. Wo immer Ungerechtigkeit herrscht, werden jene gejagt, die sich für gerechte Verhältnisse stark machen. Für die Bibel gehört der Einsatz für gerechte Verhältnisse zur religiösen Selbstverständlichkeit. „Gott steht auf der Seite der Gerechten“ heißt es in Ps 14,5. Und im Buch der  Weisheit lesen wir heute, dass es die Gottlosen sind, die den Gerechten erniedrigen und foltern. Die ganze Menschheitsgeschichte ist voll von Beispielen dafür.
Gottes Gerechtigkeit orientiert sich dabei nicht daran, was jemand leistet und damit verdient; Gottes Gerechtigkeit fragt, was Menschen zum Leben und Überleben brauchen – und zwar ohne Bewertung eines gesellschaftlichen Status, einer Nationalität, der Hautfarbe oder religiöser Zugehörigkeit. Gerechtigkeit zeigt sich konkret im Satt-werden und Wohnung-haben, in Heilung und Bildung, in Kleidung und gerechter Entlohnung – und zwar für den Einheimischen mit Berufsabschluss genauso wie für den ungelernten Ausländer, den Flüchtling, den Bildungsarmen oder den aus schwierigen Verhältnissen stammenden. Von Anfang an offenbart sich Gott als der, der für die Unterdrückten und Schwachen Partei ergreift, sich von ihrer Not anrühren lässt und ihnen Recht verschafft. Im Gegensatz dazu erleben wir oft genug auch in unserer Gesellschaft, wie solche Menschen ausgegrenzt, bedroht und in immer frecherer Weise attackiert werden. Auch wer sich für diese Gruppen einsetzt wird oft beleidigt oder ganz schnell gemieden. Ein gutes Zusammenleben gelingt aber auf Dauer nur, wo Menschen das Lebensnotwendige erhalten, um die Not ihres Lebens zu wenden. Nicht umsonst heißt es in Ps 85, dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Wo keine Gerechtigkeit herrscht sind Unruhen unvermeidbar – im Kleinen wie im Großen, und selbst „tausendjährige Reiche“ voller Macht und Gewalt gehen an ihrer Ungerechtigkeit zugrunde.
Und dann? Dann zählt, ob es Menschen gegeben hat, die sich einsetzten für die Gerechtigkeit – ungeachtet der Folgen, die sie zu befürchten hatten. Und es wird gesucht nach den Stauffenbergs, den Bonhöffers, Martin Luther Kings und Nelson Mandelas – und wie sie alle geheißen haben und heißen werden. Diese Namen stehen für das Gewissen der Menschheit – und sie sind es, die immer wieder neu den Weg weisen zur einzig tragfähigen Lebensordnung, nämlich die, die von Gott eingesetzte Ordnung der Gerechtigkeit. – Und deshalb sind sie selig zu preisen, weil sie die Welt retten. Mit „berauschender Seligkeit“ hat das nichts zu tun, sondern mit aufopferungsvoller Arbeit. Wie waren Dietrich Bonhoeffers letzte Worte: „Das ist das Ende – Für mich der Beginn des Lebens“. Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich. Amen.

 

Fürbitten

Herr, Jesus Christus, im Glauben daran, dass wo zwei oder drei in deinem Namen versammelt sind Du mitten unter ihnen bist, bitten wir dich in unserer Mitte:

  • Steh allen bei, die um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leiden und lass sie nicht mutlos werden.

Wir bitten dich, erhöre uns.

  • Gib unserem Papst Franziskus, allen Bischöfen, Priestern, Diakonen, allen Frauen und Männern im Dienst der Verkündigung und der tätigen Nächstenliebe die Kraft, sich immer wieder neu auf den Weg zu den Menschen zu machen.
  • Schenke deinen Heiligen Geist allen, die es schwer haben, für den Glauben einzustehen und sich immer wieder neu für deine Nachfolge zu entscheiden.
  • Lass alle, die gleichgültig geworden sind, wieder neu die Kraft deiner froh machenden Botschaft erfahren.
  • Ermutige uns, dein Wort tapfer weiterzusagen und auch hinzustehen, wenn es schwer fällt.
  • Steh allen von der Pandemie Betroffenen bei durch hilfsbereite Menschen.
  • Nimm alle an der Pandemie und alle lieben Verstorbenen in dein himmlisches Reich auf und schenke ihnen die ewige Freude bei dir.

Denn du willst die Rettung aller Menschen. Dich loben und preisen wir, oft auch unter Tränen, jetzt und in Ewigkeit.

Fassen wir unsere Bitten zusammen im Gebet, das der Herr uns gelehrt hat:

Vater unser….

Beten wir das Gebet in diesen Tagen der Heimsuchung:

Gebet in schwerer Zeit

Gott, du bist die Quelle des Lebens. Du schenkst uns Hoffnung und Trost in schweren Zeiten.

Dankbar erinnern wir uns an deinen Sohn Jesus Christus, der viele Menschen in deinem Namen heilte und ihnen Gesundheit schenkte. Angesichts der weltweiten Verbreitung von Krankheit und Not bitten wir dich:

Lass nicht zu, dass Unsicherheit und Angst uns lähmen. Sei uns nahe in der Kraft des Heiligen Geistes. Lass uns besonnen und verantwortungsvoll handeln und unseren Alltag gestalten. Schenke uns Gelassenheit und die Bereitschaft einander zu helfen und beizustehen.

Sei mit allen, die politische Verantwortung tragen. Sei mit allen, die gefährdete und kranke Menschen begleiten und sie medizinisch versorgen.

Lass uns erfinderisch sein in der Sorge füreinander und schenke uns den Mut zu Solidarität und Achtsamkeit.

Gott, steh uns bei in dieser Zeit, stärke und segne uns. Amen
(P. Norbert M. Becker MSC)

Segen

Der Herr segne und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Der Herr wende uns sein Gesicht zu und schenke uns Frieden.

Gott, der + Vater und der + Sohn und der + Heilige Geist.

Gehen wir und bringen wir Frieden.

Ein Meditationsbild können Sie hier herunterladen.

Geistliche Impulse und Predigt zum 4. Fastenfreitag 2020

Selig, die arm sind vor Gott

Geistliche Impulse und Predigt zum vierten Fastenfreitag, den 20.3.2020

„Die Seligpreisungen der Bergpredigt- Selig, die arm sind vor Gott, ihnen gehört das Himmelreich“

Liebe Schwestern und Brüder, die zum 4. Fastenfreitag in die Wieskirche gekommen wären. Durch das Corona-Virus sind wir daran gehindert. Im Familien- oder Gebetskreis könnten diese Gedanken ein wenig helfen und Impulse für diese herausfordernden Tage und Wochen geben.

Im Namen des Vaters…

Gott, der in unserer Mitte ist, sei mit uns mit seiner Kraft und seinem Segen.

Zu jedem Gottesdienst, ob in einer Kirche oder in einer Gebetsgemeinschaft dürfen wir mitbringen, was uns bewegt, wofür wir bitten möchten. In diesen Tagen und  Wochen der Pandemie besonders um Bewältigung auf allen Ebenen unserer Erde.

Als Kyrie-Rufe könnten wir die im Gotteslob (GL 161) verwenden.

Gebet

Allmächtiger, unbegreiflicher Gott, gerade in diesen Tagen der Pandemie bitten wir um deinen Beistand, vor allem für die vom Virus Befallenen und Sterbenden überall auf unserer Erde. Hilf allen, die sich um die Erkrankten und Sterbenden in den Krankenhäusern, auf Intensivstationen, in den Sozialstationen und Gesundheitszentren mühen. Vergilt ihnen ihren fast unmenschlichen Einsatz. Gib den Politkern die nötige Weitsicht in Anordnungen, um die Pandemie einzudämmen.  Lass die Forscher bald einen Impfstoff finden, der diese Pandemie besiegt.  Lass uns vor allem auf kranke, alte und einsame Menschen schauen und ihnen helfen, dass sie Hoffnung schöpfen können. Lass die Solidarität unter uns Menschen zunehmen und mithelfen zu einer menschenwürdigen Gesellschaft.

Wir sind uns unserer Armut bewusst und vertrauen auf dich, den Schöpfer, Erhalter  und Vollender allen menschlichen Lebens. Dir sei Lob und Dank, trotz unserer Ängste und Zweifel, heute und immer. Amen.

Lesungen zum Freitag der 3. Fastenwoche:

Hosea 14, 2-10; Evangelium Mk 12, 28b-34

Gedanken zum Thema: Selig, die arm sind vor Gott…

Eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung aus dem Jahr 2017 zeigt, dass arme und wenig gebildete Menschen deutlich kürzer leben als ökonomisch besser gestellte Bürger. Arm sein ist lebensgefährlich, und niemand will es. Was also möchte Jesus sagen, wenn er die Armen selig, glücklich preist? Will er den Betroffenen billigen Trost spenden? Und wenigstens fürs Jenseits gute Aussichten prophezeien? Das wäre zynisch; Jesus muss etwas anderes meinen.
Vielleicht kann uns die bildliche Darstellung dieser Seligpreisung in der Wieskirche weiterhelfen: Da sitzt ein Engel neben einem Füllhorn, aus dem Münzen, Schmuck, Zepter und Krone heraus fallen. Da ist also Überfluss und Macht vorhanden. Es geht nicht um verarmte Menschen, denen das Nötigste zum Leben fehlt und die jeden Morgen neu um ihr Überleben bangen müssen. Es geht um die Wohlsituierten, die über Wohlstand und Autorität verfügen – und die oft genug ihr Herz an diesen Wohlstand hängen, an die Aktienpakete, gefüllten Bankkonten, an Renditen und Statussymbole. Schätze, die innerhalb kürzester Zeit zerfallen können. „Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören“ mahnt Jesus im weiteren Verlauf der Bergpredigt, „sondern sammelt euch Schätze im Himmel“  Mt 6, 19f Aber was sind Schätze im Himmel?
Der Engel in unserer Darstellung drückt beide Hände an seine Brust, dort wo das Herz ist. Er hält genau NICHT das Füllhorn fest, sondern sein Herz, das Symbol der Zuwendung, der Nächstenliebe, des Verständnisses für- und der Beziehungen untereinander.

Derzeit müssen wir ja auf tragische Weise erleben, wie Konsum, Gewinn und Profit eingeschränkt werden (müssen), um Leben und Gesundheit zu schützen. Und wir müssen schmerzhaft feststellen, dass die Verlagerung von Produktionen wichtiger Güter, z.B. von Medikamenten in Billiglohnländer zurück schlägt. Warum hat man das überhaupt getan? Nicht, weil man in diesen Ländern den Menschen helfen wollte, sondern um gerechte Standards bei uns zu umgehen und dadurch mehr Gewinn zu machen; Profitsucht war der Grund.
Wenn wir jetzt feststellen, dass uns Pflegekräfte fehlen, weil ihr menschenfreundlicher, lebensnotwendiger, sozialer Dienst in den letzten Jahren beschämend schlecht wertgeschätzt und bezahlt wurde, dann liegt auch dies an falschen Prioritäten in unserer Gesellschaft.
Selig sind tatsächlich die Gesellschaften, die kurzfristige Renditen, schnelles Geld, grenzenloses Haben-wollen zurück gestellt haben hinter Menschlichkeit, soziale Kontakte und Fürsorge. Selig sind, die weniger besitzen, weil sie in Gottes - allen Menschen geltende - Liebe investieren; Ihnen gehört das Reich Gottes!
Am Anfang dieses Arm-seins vor Gott steht freilich nicht der wirtschaftliche Aspekt. Am Anfang geht es um eine grundsätzliche Einstellung: Gestehen wir Gott die Oberhoheit über die Welt, über die Menschheit und die ganze Schöpfung zu? Arm zu sein vor Gott fordert, sich selbst, aber letztlich alles zurück zu nehmen angesichts der Größe Gottes. Arm zu sein vor Gott heißt, in allem nach Gottes Geboten zu handeln – auch wirtschaftlich! Dann aber sind einem die Armen nicht mehr egal, denn sie sind Schwestern und Brüder. Wo viele  Menschen arm sind vor Gott, gehört allen das Himmelreich. Amen

Sagen wir in Stille Gott unsere Sorgen und Nöte und beenden wir sie im gemeinsamen Gebet, das uns Jesus gelehrt hat:

Vater unser…

Gebet zum Abschluss

Herr, unser Gott, du hast uns angesprochen in deinem Wort. Wir können augenblicklich dein Sakrament im Brot und Wein nicht empfangen. Trotzdem bist du uns mit deiner Liebe, Freundschaft und deinem Segen nahe. Lass ihn uns spüren, auch durch die Hilfsbereitschaft guter Menschen.

Danke, Herr!

Segen

Der Herr segne und behüte uns. Er lasse sein Angesicht auf uns leuchten und sei uns gnädig. Der Herr wende uns sein Gesicht zu und schenke uns Frieden, Gesundheit und Genesung.

Gott, + der Vater, und + der Sohn und + der Heilige Geist. Amen.

Zum Abschluss könnten wir noch das Lied (GL 452, 1-7) beten oder singen.

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Predigt zum 3. Fastenfreitag 2020

Selig, die rein sind im Herzen

Dritter Fastenfreitag 13.03.2020: Selig, die rein sind im Herzen, denn sie werden Gott schauen

 „Herzinfarkt“ könnte man heute als Titel über die beiden Lesungen schreiben. Herzinfarkt! – Sie wundern sich!?  Nun - bei einem Infarkt entstehen durch mangelnde Bewegung, falsche Ernährung, Rauchen u.s.w. Ablagerungen in den Herzgefäßen bis es völlig verstopft ist. Dann bekommt der betroffene Herzmuskelabschnitt keinen Sauerstoff mehr und stirbt innerhalb weniger Stunden ab. So ist es beim körperlichen Infarkt. Aber ist es im Seelischen,  im Lieben, in der Herzlichkeit - nicht ganz ähnlich?

Wie viel Ablagerungen von persönlicher Verletztheit, Abneigung, Groll, Neid und Überdruss müssen sich in den Herzen der Israelssöhne angesammelt haben, dass sie den den eigenen Bruder ermorden wollen – und ihn dann verkaufen!? Wie viel Selbstverliebtheit, Abstumpfung und Arroganz hat sich in den Herzen der Priester und Pharisäer angereichert, dass sie Jesus nur noch beseitigen wollen – und es später auch tun? Herzen voller Ablagerungen sind da – und deshalb wird ihnen das Reich Gottes weggenommen.

Jesus sagt: Selig sind, die rein sind im Herzen (ohne Ablagerungen) – denn sie werden Gott schauen. Damit setzt Er einen Gegenpol zu den jüdischen oft nur äußerlichen Reinheitsvorschriften. Denn wer unrein war, wurde ausgeschlossen – in Quarantäne – und es bedurfte akribischer Reinigungsrituale, um in die Gemeinschaft zurückkommen zu dürfen. Das war manchmal berechtigte Gesundheitsvorsorge, wenn man durch Körperausfluss wie z.B. Geschwüren, Ausschlag, unrein war – da erleben wir ja auch gerade, wie wichtig Hygiene ist. Aber auch die Berührung mit fremden Menschen oder anderen Glaubens machte unrein. Und so waren z.B. Zöllner wegen ihres Berufs exkommuniziert oder man wurde unrein, wenn man einen Samariter berührte. Und das nimmt Jesus nicht hin!

ER richtet den Fokus auf die Wahrhaftigkeit und Integrität, die Reinheit im Herzen. Und Jesus bringt es auf den Punkt: Wer im Reinen ist mit sich und mit den Mitmenschen und mit Gott, der ist tatsächlich glücklich. Es ist doch so: wer seine Gedanken, Worte und alles Handeln guten Gewissens offen legen kann, der kann ein glückliches, entspanntes Leben führen. --  Aber – ganz ehrlich - wer könnte dies von sich behaupten? Es ist auch oft schwierig, den richtigen Weg geradlinig zu gehen - z.B. wenn allgemeine Prinzipien den eigenen Werten zuwider laufen. Wenn eine ganze Gesellschaft auf den Infarkt zusteuert. Oder wenn ich mich nicht wert geschätzt fühle - von der Familie, von Nachbarn, oder vom Chef. Da lagert sich in dünnen Schichten Unzufriedenheit im Herzen ab, die mit der Zeit alle Offenheit verstopfen kann. Herzgefäße verschlacken aber auch, wenn jemand nur noch sich selber sieht, den eigenen Erfolg, das persönliche Ansehen, und nur noch die eigene Meinung gilt.

Fast unmerklich verschließen sich dann oft die „Herzgefäße der Nächstenliebe“ - und die Infarktgefahr steigt und steigt. Die deutsche Herzstiftung empfiehlt gegen den körperlichen Infarkt mind. 7000 Schritte pro Tag – das braucht Energie. Auch gegen den seelischen Infarkt bedarf es solcher Bewegung, die das Herz rege mit Liebe durchblutet. Und Gott schenkt uns dafür die Energie– in der Zusage seiner unendlichen Zuwendung, im stärkenden Brot der Eucharistie und im ermutigenden Beispiel Jesu: welche Schritte er geht. Wie ER hinaus-geht aus dem eigenen Ego, um-geht mit den Mitmenschen, wie sie eben sind - und zu-geht auf die Benachteiligten und Armen.

Da gibt es keine Ablagerungen – da bleibt das Herz rein – es wächst eine Lilie aus dem Herzen in die Welt (à Hinweis auf Kartusche). Und Menschen, die sich daran halten, dürfen erleben was Jesus verspricht: sie werden Gott schauen. Amen!

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Predigt zum 2. Fastenfreitag 2020

Selig, die Frieden stiften

Freitag in der ersten Fastenwoche, 06.03.2020

Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden

Harter Tobak ist das. Nicht nur, wer mordet soll dem Gericht verfallen sein, sondern schon wer zornig ist auf seinen Bruder - und wer zum andern sagt „Du Narr“, dem droht gar die Hölle. Und das predigt Jesus, der oft genug die moralischen Ansprüche der Pharisäer und der Schriftgelehrten relativiert. Ja wer soll denn diesem Anspruch noch gerecht werden können?!!

Aber Jesus geht es um eine andere Art der Gerechtigkeit als den Pharisäern. Nicht Auge für Auge und Zahn für Zahn soll vergolten werden - Jesus fordert von seinen Anhängern: Lasst es erst gar nicht so weit kommen, dass ihr nach diesen gesetzlichen Regeln be- oder verurteilt werdet.

Lt. der Zeitung „Die Welt“ tragen  11% der rund 41 Mio. deutschen Haushalte einen Nachbarschaftsstreit vor Gericht aus. Da vertritt Jesus ein anderes Prinzip:  „Wehret den Anfängen!“ Ein Anhänger Jesu sollte schon beim schlechten Gedanken gegen den anderen die Bremse ziehen und möglichst schnell ein Einvernehmen herstellen. Das ist Gott so wichtig, dass es noch vor dem Gottesdienst und Dankopfer steht, sagt Jesus. Gemeinschaft mit Gott ist ohne den Frieden mit dem Nächsten nicht möglich.

Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden! – so lautet die Seligpreisung des heutigen Fastenfreitags. Am Bemühen um den Frieden, um das gegenseitige Verständnis, um eine verträgliche Konfliktlösung bemisst sich die Gotteskindschaft, nicht an der Größe des Opfers. Dabei heißt Frieden stiften nicht, dass wir wichtigen Auseinandersetzungen einfach aus dem Weg gehen sollen. Natürlich gilt es, für die Wahrheit einzutreten - Jesus lebt uns das eindrücklich vor – aber immer mit Respekt gegenüber dem anderen, mit Bereitschaft zum Kompromiss und einer ehrlichen Selbstkritik. Selten ist nur einer Schuld an einem Streit.
    Auf der Kartusche über dem hl. Gregor wird uns diese Seligpreisung dargestellt als Putto mit einem Olivenzweig: Das Zeichen der Versöhnung am Ende der Sintflut. Da hatte es gedauert, bis die Taube den Zweig finden konnte und so ist auch eine Friedensfindung mitunter ein langer Prozess mit immer neuem Suchen. Wir wissen doch auch alle, wie leicht es fällt, die Fehler der anderen immer wieder zu nennen und aufzurechnen, gerade dann, wenn ich dadurch auch noch bestätigt werde: Jawohl – der andere ist ein Dummkopf, ein unverbesserlicher. Aber schon bin ich drin in der Bergpredigt. Genauso wissen wir aber doch auch, dass das Leben nicht nur friedvoller sondern auch gottvoller, würdevoller und gesünder ist, wo Achtung voreinander gelingt -  im Großen wie im Kleinen. Deshalb ist auch die Vermittlung zwischen Streitenden ein Werk, das Gotteskindschaft verleiht. Als nicht unmittelbar Beteiligter hat man doch oft gerade den Blick für den Ausweg, den die im Streit engsichtig und engstirnig gewordenen nicht mehr sehen – im Kleinen wie im Großen.

Kann man sich heute noch vorstellen, dass Deutsche und Franzosen jahrhundertelang immer wieder wegen uralter Geschichten Kriege geführt haben? Bis endlich große Staatsmänner eingesehen haben, dass dadurch niemals Leid oder Unrecht getilgt, sondern immer nur vergrößert wird? Kann man sich heute noch vorstellen, dass es eine Sünde war, eine evangelische Kirche zu betreten? Bis ein Konzil endlich erkannt hat, dass durch solch eine Regelung Gott nicht verherrlicht sondern verspottet wird? Beide Male – und die Fälle könnten unendlich fortgesetzt werden - mussten fixe Überzeugungen hinterfragt und schließlich revidiert werden, weil das Ergebnis nicht dem Wohl der Menschen und damit auch nicht dem Willen Gottes entsprochen hat.

Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.  Das ist ein Adelstitel, der kaum zu überbieten ist. Dem entsprechend ist in den Augen Jesu auch die Bereitschaft zum Frieden kaum zu überbieten. Hilf uns Herr, darin immer weiter zu wachsen! Amen.

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Predigt zum 1. Fastenfreitag 2020

Selig die Barmherzigen

Predigt zum Freitag nach Aschermittwoch, 28.02.2020

Selig, die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden

Ist das ein Fasten wie ich es wünsche: wenn man den Kopf hängen lässt und sich demütigt?  Wenn man fastet und trotzdem streitet, betrügt und ausbeutet? So fragt der Prophet Jesaja im Auftrag Gottes in der heutigen Lesung – und die Antwort folgt sofort:  Nein – so ein Fasten wünscht Gott nicht! Das Fasten, das Gott wünscht, ist: Fesseln des Unrechts lösen, Unterdrückte freilassen, Obdachlose aufnehmen, Nackte bekleiden – 

Kommt Ihnen das bekannt vor? Hier geht es um nichts anderes als um die Werke der Barmherzigkeit aus Jesu Schilderung des Weltgerichts. Aber Jesaja lebte 500 Jahre vor Christus – und da ist die Barmherzigkeit schon das bestimmende Thema derer, die sich an Gott halten. Gott will keine sinnentleerte Demut. Er will kein Kasteien um des Kasteien willens. Der Gott Israels will ein Fasten, das die Welt besser macht. „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“ sagt Jesus später in seinem Grundsatzprogramm, das auch Gottes Grundsatzprogramm ist.

Mit diesem Leitfaden, den Seligpreisungen, wollen wir uns dieses Jahr an den Fastenfreitagen  näher beschäftigen – und wir können dazu die Kartuschen über den Doppelsäulen hier in der Wieskirche betrachten. Rechts von der Orgel sehen wir den Putto mit ausgestrecktem Arm, eine Münze weggebend. Bereit sein, etwas weg zu geben für die, die weniger haben. So wird hier die Barmherzigkeit dargestellt. Da bekommt auch das Fasten einen ganz praktischen Sinn, wenn ich das, was ich durchs Fasten einspare,  einem Hilfswerk spende, oder wenn ich in der Fastenzeit ganz bewusst fair gehandelte Produkte kaufe und dafür mehr Geld einsetzen muss. Wenn gerechtere Handelsstrukturen existierten, wäre schon viel erreicht im Sinne der Seligpreisungen.  Aber Barmherzigkeit hat noch weitere Facetten: Der barmherzige Samariter zeigt uns die aktive Nächstenliebe – und im Gleichnis vom barmherzigen Vater geht es nicht ums Teilen, da geht es um Nachsicht und Verzeihung: Wenn einer etwas falsch gemacht hat, ihn doch wieder annehmen. Gerade dieser Art von Barmherzigkeit bedürfen wir doch alle. Wer von uns könnte denn sagen, dass er noch nie einen Fehler begangen hat? Und wie viel Befreiung darf ich spüren, wenn die anderen nicht ewig auf meinem Fehler herum hacken, sondern bereit sind, ihn zu vergessen – vorausgesetzt ich mache ihn nicht ständig immer wieder.

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden, heißt es denn auch im Evangelium. Wer selbst barmherzig ist, dem begegnet auch Gott mit Barmherzigkeit. Das ist Jesu Botschaft  - im Gegensatz zur sturen Gesetzesfrömmigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer. Und deshalb halten sich Jesu Jünger auch nicht an die pharisäischen Fasten-Regeln, wie es das Evangelium heute geschildert hat. Es geht nicht ums schnöde Erfüllen von Regeln. Es geht darum, die Welt besser, nachsichtiger, gerechter, liebevoller, barmherziger zu gestalten. Damals wie heute.

Die Fastenzeit ist dazu ein guter Anlass – 40 Tage lang Welt verbessern – oder wenigstens ganz bewusst die kommende Woche lang: barmherzig sein, um Erbarmen zu finden! Amen

 

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