Fest der Tränen Christi am 15. u. 16. Juni 2019, Nachlese

Erzabt Korbinian Birnbacher (OSB)

Die Brüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann schufen mit der Wallfahrtskirche in der Wies das Eleganteste, was das bayrische Rokoko hervorgebracht hat. Eine Vision vom himmlischen Jerusalem, wohin uns Gott alle einlädt. Mitten in diesem Festsaal begegnet uns der Gegeißelte Heiland, der Tränenreiche Jesus. „Er weint nicht seine Tränen, er weint unsere Tränen, er lebt und tröstet uns heute noch in all unseren Nöten“, stellte Erzabt Korbinian Birnbacher deutlich heraus. Das Tränenfest verinnerlicht wie kein anderes Fest, wie die Wies mit ihrem Gnadenbild auf alle mit Mühsal Beladenen Trost ausströmen will und lichtvolle Hoffnung zu vermitteln mag. Ausdruck dieser Hoffnung ist immer wieder auch die Musik in diesem Gotteshaus. Mit der meisterhaft dargebotenen Rokokomesse in F-Dur von Franz Gleißner sorgten das Barockorchester und der Chor Valley unter Leitung von Sixtus Lampl einmal mehr für eine gelungene Symbiose von Musik und Theologie. Die Messe wurde zum 200. Todesjahr des Hofmusikers und Miterfinders der Notenlithographie von Karl Heinz Malzer bearbeitet und in Valley 2018 erstmals aufgeführt. Da ging nicht nur Monsignore Gottfried Fellner das Herz auf. Ein Segen für die Leidenden ist die Krankensegnung bei der Messe am Vorabend des Festes, die wie die Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten immer großen Zuspruch erhält. Unter den Mitfeiernden des Pontifikalgottesdienstes befanden sich die Wallfahrer von Osterzell und mit Andreas von Mühldorfer aus Thierhaupten auch ein direkter Nachfahre der Wiesbäuerin Maria Lory. Das Tränenwunder am vom Kloster Steingaden „ausrangierten Heiland an der Geißelsäule“ auf ihrem Hof löste eine gewaltige Wallfahrtsbewegung aus, die ganz Europa erfasste. Bis heute kommen alljährlich tausende Pilger, um unter der Figur des gegeißelten Heilands zu beten. „Ausrangiert und später umso stärker aufgewertet! Gott macht das Kleine groß und stellt das Unbeachtete und Verkannte in den Mittelpunkt – wie bei Maria.“ Erzabt Korbinian Birnbacher ging in seiner Predigt auf die Tränen und das gewaltige Heilshandeln Gottes ein. Tränen begleiten uns ein Leben lang – von den ersten Tränen, die wir selbst auf die Brust unserer Mutter vergossen haben bis hin zu den Tränen, die andere einmal an unserem Grab vergießen. Die Bibel kenne viele tränenreiche Geschichten, doch dürfen „wir alle davon überzeugt sein, dass Gott alle Tränen trocknet, alle Tränen in einem Krug sammelt wie im Psalm 56 und letztlich auch alle Tränen von unseren Augen abwischt“.

Text und Bilder: Gerhard Heiss

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