Eröffnung des Zimmermann-Stüberls im Wallfahrtsmuseum

„Mit dem Dominikus-Zimmermann-Stüberl leisten wir einen kleinen Beitrag, dass die Geschichte der Wallfahrt zum Gegeißelten Heiland didaktisch und katechetisch wieder stärker erlebbar wird.“ Erfreut zeigte sich Monsignore Gottfried Fellner über die großherzige Unterstützung von Stiftungen und privaten Sponsoren. So konnten die Kosten von über 22.000 Euro gestemmt werden. Bei der von Isabell Lutz und Stefanie Sieber aus Lauterbach auf ihren Harfen festlich umrahmten Feierstunde im Prälatensaal streifte der Kustos der Wies die Geschichte des von seinem Vorgänger, Prälat Georg Kirchmeir, eingerichteten kleinen, aber feinen Wallfahrtsmuseum. Den Grundstock lieferte Thomas Finkenstaedt, der sich zusammen mit seiner Frau Helene ein Leben lang auf die Spurensuche der Wallfahrt und weltweiten Verehrung des Gegeißelten Heilands auf der Wies begab. Fellners Dank galt ebenso den Betreuern über viele Jahre, besonders Professor Hans Pörnbacher, Gertraud und Wolfgang Haug sowie Peter Ott. „Als Abt Marianus Mayer den Spruch „An diesem Ort wohnt das Glück, hier findet das Herz zur Ruhe“ in eine Fensterscheibe des Prälatensaals ritzte, konnte er nicht ahnen, dass das Rokokojuwel einst Weltkulturerbestätte wird“, sinnierte Steingadens Bürgermeister Xaver Wörle. Die Originalfensterscheibe ist heute in einem Wandkästchen des Zimmermann-Stüberls aufbewahrt. Dass sich dieses hier und nicht in Landsberg, wo er lange wirkte, oder seinem Geburtsort Wessobrunn befindet, freue ihn, einem Sohn der Wies, besonders. Kurator Helmut Schmidbauer sieht in dem Museum als Zeugnis der Frömmigkeit über 250 Jahre eine Seelsorge mit anderen Mitteln. Das Stüberl mache die Zeit der Entstehung der Wallfahrt erlebbar und Stefan Lubos kam dazu in der passenden Kleidung, die damals hier in Steingaden getragen wurde. Wenn wir am Tisch im Herrgottswinkel Platz nehmen, sitzen wir nicht nur neben den bedeutenden Äbten und Handwerkern am Anfang der Fest- und Feierkultur des Abendlandes. „Das „Fegefeuerbild“ der Familie Zimmermann,“ so Schmidbauer, „mache deutlich, dass wir über das Gebet mit den Verstorbenen in Verbindung bleiben. Ein wesentliches Merkmal von Dominikus Zimmermann ist sein hinüberführendes, sein transitorisches Wesen. Kein zweiter wagte es, mit Architektur so umzugehen und sie als ein Übergangselement zu formen wie eine Rocaille. Dass die Wallfahrt lebendig ist, stellte der vorausgehende 11.00 Uhr-Gottesdienst einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. Musikalisch gestaltet von den Mixed Allegro-Singers aus Mußbach an der Weinstraße in der Pfalz mit der Missa Brevis in C-Dur von Charles Gounod. Am Altar standen zudem zwei Ministrantinnen einer Wallfahrtsgruppe aus dem Pitztal in Tirol. Wie oft das Diamantene Ehepaar aus der Wildsteig schon in der Wies war, lässt sich nicht mehr feststellen. Unter den zahlreichen Gläubigen auch zwei befreundete junge Eheleute aus den französischen Nordalpen mit ihren sechs kleinen Kindern.

Text und Bild: Gerhard Heiß

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