Adventsauftakt & Hirtenmahl am 29.11.19 in der Wieskirche

Die Inhaber der 1985 gegründeten Firma I-West, hochspezialisiert auf Pferdefuttermittel im internationalen Spitzen- wie auch Breitensport, Dr. med. vet. Dorothe Meyer und Gerhard W. Meyer, zeigen nicht nur herzliche Gastfreundschaft für Freunde, Mitarbeiter und Kunden, die sich unter freiem Himmel bei Glühwein, Kiacherl und Hirtenmahl laben können. Auch Musik- und Wies-Liebhaber der ganzen Region sind im Konzert willkommen zum Hören und Staunen. Die Auswahl der musizierenden Künstler klingt auch in diesem Jahr verheißungsvoll. Dass das Weltkulturerbe Wies nicht nur mit besonderem Klang, sondern auch mit außergewöhnlichem Licht gefüllt wird, ist dazu ein bisschen ein Geheimtipp, schmunzelt Wiesprälat Monsignore Gottfried Fellner voll Vorfreude.

Zur Einstimmung auf die sogenannte „staade Zeit“, die oft die Nerven eher blank liegen lässt im Vorweihnachtstrubel, statt ein Entschleunigen der Betriebsamkeit zu bringen, braucht es Fingerspitzengefühl. Damit sich Erwartung und Herzensruhe, Freude und Stille in guter Balance finden können, sind der Südtiroler Männerchor aus Neustift gemeinsam mit den Welt-Volks-Musikern des Ensembles „Luz Amoi“ aus Freising eine wunderbare Wahl. Wieskurat Fellner wird dabei mit seinen kurzen Text-Betrachtungen zum idealen Bindeglied zwischen Musik und Licht, Wort und Spiritualität.

Mit Bedacht hat man Weihnachtslieder, die auf lange Traditionen zurückgreifen können, zueinander in Beziehung gesetzt. Zum Auftakt wärmen die weichen, wunderbar kultivierten vollen Männerstimmen der Südtiroler Gäste beim „Rorate coeli – Tauet ihr Himmel“ das Kirchenschiff. Schon bei Klostergründung im 12. Jh. war in Neustift bei Brixen die Pflege von Gesang und Musik integraler Bestandteil des klösterlichen Lebens. Doch auch auf weltlichem Terrain galt es, sich um musikalische Grundsteinlegung und Ausbildung zu bemühen, wie der Stifts-Chorleiter Josef Grasser, der 1922 nach Neustift berufen wurde. Über Jahrzehnte prägte seine Arbeit das musikalische Leben von Neustift, sein pädagogisches Talent wirkte nach, so dass es vor sechzig Jahren zur Männerchorgründung kam. Aus den einstigen Schulbuben wurden stattliche Sänger, so ist es bis heute geblieben. Chorleiter Rudi Chizziali, der nicht nur Gesang, sondern auch Theologie studierte, ist seinem Männerchor bereits seit langen Jahren verbunden. Unter seiner Führung kann das in allen Registern ausgewogen besetzte Chorensemble denn auch mit Stolz auf zahlreiche Preise und Auszeichnungen blicken. Wie fein differenziert dort musiziert wird, zeigt sich in Mozarts „Abendruhe“, subtil durch das ungewöhnlich besetzte Quintett „Luz Amoi“ eingeleitet. Und während man singend über den Untergang der Sonne sinniert, leuchtet ihr Strahlenkranz, dreht sich die Aurora der Scheinwerfer ganz sacht hoch in der Kuppel des Altarraums. Als Zuhörer wird man ein wenig atemlos vor Glück und Staunen über die immer wieder wechselnde und changierende Farbenpracht, mit der das sakrale Herzstück der Wies die Stimmung der Musik in pastellene wie kräftige Farben taucht. Ob zartes Himmelblau, Türkis oder flammende Rottöne, Lichtgestalter Thomas Ferstel kreiert einen wundersamen Zauber zur berührenden Musik.

Und die ist immer wieder ungewöhnlich, voller Neugier auf Neues. Vor allem die fünf ungemein vielgestaltigen Künstler der Band „Luz Amoi“ sorgen für ein Überraschungspaket. Quasi multitaskingfähig beherrscht jeder mehrere Instrumente. Mit Akkordeon, Gitarre, Klarinette und Saxophon, Geige und Kontrabass, Hackbrett und Harfe, natürlich darf auch diverse Percussion nicht fehlen, improvisiert das Quintett jazzig smooth, in spannenden Arrangements, die verblüfft aufhorchen lassen.

Vorbildlich ist die Diktion des Männerchores Neustift, in der so gut ausbalancierten Mehrstimmigkeit der Lieder hat man etwas zu sagen. Da wird der Gruß an Maria zum tönenden Anliegen, schlicht, aufrichtig, nie vordergründig aufgesetzt. Voll und geschlossen im Vokalklang, mit Leichtigkeit der hohen Tenöre, warm-sonorem Fundament der Bässe.

Faszinierte Stille herrscht im Publikum, wenn Stefan Pellmaier an der Marimba beim „Still, still“ aus der Dunkelheit in den Dialog mit der Harfe tritt. So entsteht ein ungewöhnlich inniger Bezug zur textlichen Aussage. Schalmeit und groovet Johannes Czernik dazu mit dem Saxophon, sind die Herzschläge Mariens auf einmal ganz nah. Herrlich, diese Freiheit des Musizierens als Hörer teilen zu können.

Stimmiger zu diesem Klangerleben und lichtem Strahlenglanz können die verbinden Texte von Gottfried Fellner kaum gelingen. Er ist ein Meister der Reduktion, denn nicht ausschweifende Erzählungen, sondern die kurze Reflektion zu den zentralen Themen des Advents macht er zum Anliegen. Dabei ist er keinesfalls der Mahner mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern der Mutmacher, der Verständnis für Sehnsucht und Sorge, für Zweifel und Hoffnung schenkt.

Wie steht es um das Geschehen lassen können, dieses Urwort Marias, heute, in unserer umtriebigen, selbstbestimmten Zeit? Wie übersetzt sich das in unserem Alltag nur selten zu erlebende Wort Verheißung, wo finden wir denn die Verkündigung 24/7 im Advent, wo treffen wir die Freudenboten. Fellner ist kein Mann der schnellen Antworten, er setzt Impulse, damit jeder Hörende in sich hineinhorchen kann, diesen Fragen neu begegnet, seine eigenen Antworten findet. Aus welcher Quelle sich der Kirchenmann speist, der so viel in seinem Amt schon erfahren hat über die Suche der Menschen nach Stütze und Sinn, Ansehen und Würde, bleibt kein Geheimnis. Ihm sind Vertrauen und Wissen zu eigen, dass „all das, was ist, wie es ist, noch lange nicht alles ist“.

Am Ende sind es zart tastende Marimba-Klänge, die die Tür zum Andachtsjodler öffnen. Wohl niemand verlässt an diesem Abend die Wies, der nicht ein Stück Trost und Freude mit in diesen Advent nimmt. Draußen sind inzwischen leise die ersten Flocken gefallen……

Mit freundlicher Abdruckgenehmigung von Frau Dorothee Fleege-Gschnaidner, Hohenpeißenberg

 

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